Im Oktober 2018 feierte mein 4. Programm „Jo eh!“ Premiere. Und kurz darauf schickte mir Martina Kapral, bei deren Agentur ich damals als Künstler war, einen Facebook-Link zu einem Segelboot namens „JO EH“. Und ich schrieb den Besitzern eine kurze Nachricht und dass es doch lustig wäre, sie mal auf ihrem Boot zu besuchen.
Nun, das Boot liegt in Lignano und ich dachte daran, im Frühjahr oder Sommer mal vorbeizuschauen, wenn sie am Boot sind. Dann bekam ich aber von Rotina und Harald eine Nachricht mit genauem Törn-Plan und sie meinten, ich könnte die letzte Woche auch gerne mitsegeln. Und wie ich das in den letzten Jahren immer machte, wenn etwas völlig Neues, Aufregendes auf mich zukam, sagte ich einfache JA.
Und so starteten wir am 23. Mai 2019 von Wien Richtung Punat auf der Insel Krk in Kroatien, wo das Boot nach einer Woche Regatta im Hafen lag. Harald war zu diesem Zeitpunkt bereits 7 oder 8 Wochen mit dem Boot unterwegs, mit unterschiedlichen Besatzungsmitgliedern und eine Zeit lang auch alleine. Am 23. Mai abends fand die Siegerehrung der Regatta statt und obwohl alle bereits richtig müde waren, hielten wir bis Mitternacht durch, um noch auf meinen Geburtstag anzustoßen.
An meinem Geburtstagsmorgen also verließen wir, das waren Harald (der Bootseigentümer) und Roswitha (die Skipperin auf diesem Törn) bei strahlendem Sonnenschein und so gut wie keinem Wind Punat und machten uns auf den Weg Richtung Lignano. Die erste Nacht verbrachten wir in Glavotok, einem kleinen Ort auf Krk, wo ich erfolglos mein Glück als Fischer versuchte. Und meine erste Nacht am Segelboot war wunderbar und sehr traumhaft.
Aufgeweckt wurde ich allerdings höchst unsanft, da die heftigen Wellen einer in der Nähe verkehrende Fähre das Boot in erdbebenartige Stoßbewegungen versetzte und ich mich überhaupt nicht auskannte wo ich bin und was genau los ist. Harald und Roswitha fanden das höchst amüsant.
Nach dem Bootsfrühstück bei Sonnenschein stachen wir ins See mit neuem Ziel Valun auf der Insel Cres, auf der ich 2013 zwei Wochen am sehr abgelegenen und kultigen Campingplatz verbrachte. Vielen Österreichern ist dieser Ort noch von der Fernsehserie „Der Sonne entgegen“ aus dem Jahr 1985 ein Begriff, die ebendort gedreht wurde.
Wir legten dort neben einer großen Yacht an, die, wie wir später herausfanden, einem Österreicher gehörte. Sie hatten es sehr lustig auf diesem Boot und boten uns ungefragt eine breite Palette an österreichischen Musikklassikern….von Hüttengaudi bis Falco, würd ich sagen. Da die Lautstärke der Musik auch weit nach 22 Uhr nicht zurückging, kam aus dem Ort ein Hotelgast und beschwerte sich bei der Crew des Bootes, und kehrte anschließend wieder in sein Hotel zurück. Kurz danach kam jedoch der Bootseigentümer zu uns und entschuldigte sich für die zu laute Musik, da er annahm, wir hätten uns beschwert. Als Wiedergutmachung lud er uns auf ein Gin Tonic auf sein Boot ein (gut, es wurden mindestens zwei). Später holte ich dann noch meine Gitarre und spielte ein paar Lieder.
Als wir dann erklärten, dass wir uns gar nicht beschwert hatten, waren unsere Gastgeber etwas überrascht, aber nun waren wir halt schon mal da.
Am 3. Tag segelten wir weiter nach Medulin an der Südspitze Istriens. Außer, dass wir da ein Eis essen gingen und erstmals mit dem Schlauchboot von der JO EH an Land gegangen sind kann ich nur berichten, dass es sehr touristisch und gar nicht so sehenswert ist. Ein bisschen wie Maturareise-Feeling in der Vorsaison.
Tag 4 brachte uns dann nach Rovinj. Darauf hatte ich mich schon sehr gefreut und an diesem Tag hatten wir endlich auch mal ordentlich Wind. Hier möchte ich erwähnen, dass es mein erstes Mal auf einem Segelboot war und da, wo für eingefleischte Segler der Spaß beginnt, bei mir schon die Anspannungsgrenze überschritten war. Es ging mir grundsätzlich gut, aber ich musste mich schon sehr auf den Horizont konzentrieren und ich vermied es, unter Deck zu gehen und schob auch Toilettengänge so lange wie möglich hinaus.
Wir hatten also gut Wind und es regnete meist und war sehr kalt, weshalb ich glaub ich 3 oder 4 Schichten Kleidung trug, als oberste Schicht das wunderbare gelbe Ölzeug, das nicht nur Wasser, sondern auch Luft und Schweißdicht ist, wie ich herausfand. Aber meine Freude war an diesem Tag trotzdem ungetrübt, da wir Delphine sahen und unser Ziel Rovinj war, das ich sehr mag.
Am 5. Tag ging es bei strahlendem Sonnenschein und kaum Wind weiter der Küste Kroatiens entlang Richtung Umag, unseren letzten Hafen in Kroatien. Das beinahe sommerliche Wetter war zwar nicht ganz segelfreundlich und wir fuhren mit Motor, jedoch stellte sich ein herrliches Urlaubsgefühl ein. Und wir kochten an diesem Tag gebackene Apfelspalten. Da wir keinen Staubzucker hatten, mörserte ich Kristallzucker, was tatsächlich seinen Zweck erfüllte.
Und ich spielte für Harald und Roswitha erstmal ein Lied während der Fahrt. Ja, ich fühlte mich mit jedem Tag wohler und sicherer, auch weil die beiden ein super Team waren.
Umag an sich war jetzt auch nicht so ein Highlight, wobei mir das erste Foto schon sehr gefällt. Ein passender Titel wäre vielleicht:
Ich will das Problem nicht erkennen. Oder: Da haben wir noch Zeit.
Tag 6 sollte uns also bereits nach Lignano bringen und als wir am Morgen aufbrechen wollten, sprachen wir noch mit unseren Bootsnachbarn, die sich noch nicht sicher waren aufgrund der Wetterlage nicht vielleicht doch besser im Hafen zu bleiben. Das führte bei mir zu mulmigen Gefühlen, denn es stand uns eine 6-7 stündige Überfahrt bevor und wie es aussah mit viel Wind (Harald und Roswitha „Yeah“, Thomas „Hmmm“) und Regen.
Harald meinte, das passt schon und wir brachen auf. Man kann an den Bildern sehr schön sehen, wie hinter dem Polizeiboot z. B. die dunklen Gewitterwolken auf uns lauerten. Und dass wir hohen Wellengang hatten, kann man am 2. Foto sehen, da sich die reifen Bananen durch das starke Schwanken selbst ernteten.
Der starke Wind hatte jedoch auch den großen Vorteil, dass die Überfahrt kürzer war als erwartet. Und der Horizont und ich wurden richtig gute Freunde!
Die Einfahrt in die Marina dauerte dann nochmals eine ganze Stunde, da man nur unter Motor fahren darf und die Lagune wirklich groß ist. Diese Nacht verbrachten wir dann in der Marina, neben vielen anderen großen und größeren Segelbooten.
Am nächsten Tag kam Haralds Frau Rotina mit dem Auto nach Lignano und wir machten noch einen Ausflug mit dem Boot zu einem Fischrestaurant auf einer Insel und verbrachten anschließen die Nacht ankernd in der Lagune.
Tags darauf musste die JO EH aus dem Wasser ans Trockendock und wir schliefen dann noch eine Nacht auf dem Boot an Land, was irgendwie wie Camping ist, aber doch nicht. Ich musste mir jedoch auch Lignano anschauen, da ich in meinem ganzen Leben noch nie an einem italienischen Strand gewesen war (mit Ausnahme am Lido in Venedig, aber das ist nicht so typisch). So. Habs gesehen, erledigt.
Abschließend möchte ich noch sagen, dass diese Woche eine der schönsten in meinem Leben war und ich Harald, Roswitha und Rotina sehr dankbar bin, dass sie mir das ermöglicht haben. Ich kann nur empfehlen, auch wenn es gelegentlich eine Challenge war.
Mein Tipp: Nehmt solch wunderbare Angebote und Herausforderungen an und wahr, wann immer ihr könnt!




























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